Philosophie

Warum Zeit die kostbarste Währung ist, die wir haben.

Bevor ich Mutter wurde, war Zeit für mich kostbar, aber nicht unersetzbar. Schließlich besaß ich vermeintlich ausreichend davon.

Natürlich wünschte ich mir hier und da mal etwas mehr Zeit für meine Hobbys, aber das war es auch schon.

Warum Zeit die kostbarste Währung ist, die wir haben.

Als aber auf einmal meine biologische Uhr anfing zu ticken, änderte sich mein inneres Zeitgefühl grundlegend.
Schon als der kleine Mensch in meinem Bauch wuchs, war die Zeit auf einmal anders geworden. Wichtiger!
Alle Welt sagte mir: nutzt die Zeit zu zweit noch einmal! Nutze die Zeit, um zu schlafen! Nutze die Zeit für deine Hobbys!

Zeit schien auf einmal einen anderen Stellenwert in meinem Leben zu bekommen – aber wieso?

Ich glaube jede werdende Mütter kennt die oben gesprochenen Sätze, aber keine werdende Mütter versteht sie.
Wie soll man etwas, das man immer hatte und von dem man nie “mehr” brauchte, auf einmal wertschätzen? Ist die Zeit mit dem Partner nicht immer toll? Immer schön? Wie soll man auf einmal “mehr” davon nehmen?

Außerdem: man freut sich in der Schwangerschaft ja auf das Baby – wie soll man denn dann entspannt Zeit nutzen?
Ich hätte gerne die Uhr vorgedreht, um unsere Kleine kennen zulernen – mehr Zeit wäre schlichtweg Folter gewesen.

Und auf einmal sieht man die Zeit zwischen den Fingern verrinnen.

Wenn das kleine, hilflose Wesen dann auf der Welt ist, ändert sich das Zeitgefüge erneut.

Alles dreht sich auf einmal um dem kleinen Nachwuchs und nichts oder niemand kann dem entgegen stehen.
Auf einmal kann man verstehen, wieso man gesagt bekommt, dass man die Zeit für sich und mit dem Partner genießen soll.

Denn alle verfügbare Zeit gehört auf einmal dem neuen Erdenbürger.

Zeit wird auf einmal mit das kostbarste, was Eltern haben.

Noch dazu verliert Uhrzeit ihren Schrecken.

War es früher der größte Horror Nachts aufzuwachen und zu sehen, dass es mitten in der Nacht ist – so kann ich heute auch ohne mit der Wimper zu Zucken um 3:32 aufstehen, weil es mir einfach nichts mehr ausmacht.

Ja, man ist dann etwas müde, aber der nächste Abend kommt bestimmt und dann schlüpft man einfach früh ins Bett.

Eine Einstellung zu Zeit, die ich auch erst lernen musste. Aufstehen, ohne zu denken oh mein Gott, es ist mitten in der Nacht! und schlafen ohne zu denken: Hilfe, es ist viel zu früh!

Es ist egal geworden, welche Zeit auf der Uhr steht: ich nehme die Zeit und nutze sie, wie es sinnvoll ist – und nicht wie früher, als ich die Zeit stoisch an dem Ziffernblatt festmachte. 3:30 Uhr war keine gute Zeit, um Nachts wach zu sein; passiert mir das heute, nehme ich ein Buch, lese und genieße die Möglichkeit.

Ich bin deutlich entspannter geworden. Und das ist ein gutes Gefühl.

Neben diese kleinen Änderungen in meinem Zeitgefühl sind zwei weitere Gefühle entstanden, die ich bis heute schwierig zu verdauen finde.

Zeit ist endlich

Ich war nie jemand, der Angst hatte zu sterben. Ich möchte es nicht, aber bevor ich Mutter wurde, hatte ich das Gefühl, geordnete Verhältnisse zurück zu lassen.

Heute beängstigt mich der Gedanke extrem.

Ich muss schlicht und ergreifend bei meinem kleinen Mini-Me bleiben und ihr die Welt zeigen. Für sie bin ich unersetzbar – und das ändert alles.

Werde ich also doch 120 Jahre alt werden müssen 😉 .

Außerdem musste ich schnell erkennen, dass – selbst wenn ich 120 Jahre werde – meinem Zeit mit dem kleinen Wunder begrenzt ist.
Einfach, weil sie wachsen wird und meine Dienste als Mutter nicht mehr benötigt werden, wie zum Beispiel jetzt.

Schon heute, mit erst 2 Jahren, löst sie sich von mir, möchte Dinge alleine machen und versuchen, die vor ein paar Monaten noch undenkbar waren alleine zu tun.

Wir Eltern müssen lernen unsere Kinder in die Welt gehen zu lassen – ohne uns.

Wir begleiten sie nur einem kurzen Weg lang, der aber viel zu schnell ein Ende hat.

Wieder steht die Zeit am Wegesrand und macht mir eine lange Nase.

Unser Kind wird größer, eigenständiger und selbstbestimmter – Mama wird nicht mehr so viel gebraucht, wie es einst der Fall war.

Und genau deswegen möchte ich mit meiner Tochter die Zeit verbringen, die ich kann und die sie mir anbietet.
Wenn es meine Möglichkeiten zulassen, schneide ich Holz-Obst zu dreihundertvierundfünfzigsten Mal, gehe mit ihr auf den (echt ätzenden!) Spielplatz oder stehe mit ihr am frühen Morgen auf.

Ausschlafen kann ich später mal. Und das meine ich ernst.

Wie häufig sagen wir: das mache ich später – aber genau das kann ich nicht später machen.
Man sagt so blöd: So jung kommen wir nicht wieder zusammen – und da ist der Punkt. Jeder Tag, der ins Land zieht, macht meine Tochter größer, älter und selbstständiger. Ich genieße die Zeit, in sie morgens noch in den Arm springt, wenn sie Augen aufschlägt, laut und voller Freude Mamiiii ruft und ihren Kopf in meine Halsbeuge drückt.
Irgendwann wird das vorbei sein und nicht wieder kommen.

Wenn es so weit ist, möchte ich das Gefühl haben: Ich habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die sich mir geboten haben.

Und genau deshalb bin ich – obwohl ein Langschläfer wie er im Buche steht – ein freudiger, fröhlicher und müder Frühaufsteher geworden.
Weil ich diesen Moment für nichts in der Welt verpassen möchte.

Ich nehme, was ich kriegen kann.

Alles, was die Zeit mir anbietet, sammle ich ein und nehme es mit.

Zeit war einst etwas, das ich hatte und mir nicht wirklich darüber bewusst war.

Heute habe ich Zeit und frage mich, warum Zeit eins der wenigen Dinge auf der Welt ist, das man nicht kaufen kann.
Aber genau das macht unser Leben und unsere Zeit miteinander so kostbar, nicht wahr?

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

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