Rente Teilzeitfalle

Mütterrente 2019

Heute möchte ich eine kurze Reihe starten, die einen Blick auf die Rente von berufstätigen Eltern wirft.
Alle, die schon immer einen kurzen & knappen Überblick über die Rentenzahlungen von berufstätigen Eltern haben wollten, sollten ein paar Minuten Zeit investieren.

Ein Überblick zur aktuellen Grundrente / Grundsicherungsdiskussion findet ihr hier.

Ein Überblick

Die Rente von (insbesondere) Müttern ist ein Thema, das wieder und wieder die Medien in Deutschland beschäftigt.
Gerade Frauen, die sich der Kindererziehung widmen, sind in der gesetzlichen Rente schlechter gestellt und erfahren so häufiger Altersarmut.

Ehegattensplitting, Herdprämie, das Pflegen von Verwandten, die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie (schlechte Verfügbarkeit von Krippen,- und Kindergartenplätzen, keine Ganztagsschulen) trifft in der Regel Frauen und hält sie von der durchgängigen Zahlung in die Rentenversicherung ab. Auch das neue Gesetz zur Brückenteilzeit ist für die Rentenzahlung nicht förderlich.
Dazu kommt die nicht gerechte Zahlung von Gehältern, die sich am Ende ebenfalls auf die Rente auswirkt.

Während Männer außerdem häufig durchgängig in die Rente einzahlen, fallen bei Frauen an der einen oder anderen Stelle aus verschiedenen Gründen immer wieder Zahlungen aus.

Liegt die durchschnittliche Rentenzahlung im Westen bei Männern bei 1095€, so liegt sie bei Frauen nur bei 622€. Im Osten fallen die Zahlungen gerade für Frauen deutlich höher aus, weil sie keine “Elternzeit” in Anspruch nehmen konnten. So beziehen sie im Schnitt 928€.

Im heutigen Artikel möchte ich euch die sogenannte Mütterrente vorstellen. Folgen (am 23.03.19) wird ein Artikel zu der aktuellen Diskussion um die Grundrente / Grundsicherung.

Mütterrente I – 01.07.2014

Im Jahr 2014 wurde der erste Teil der Mütterrente eingeführt.
Frauen (und auch Männern!), die einen Solidarbeitrag durch die Erziehung von Kinder geleistet haben / leisten, soll diese Arbeit mit Rentenpunkten vergütet werden.
Für das Alter bedeutet diese eine höhere gesetzliche Rente, obwohl man keiner rentenpflichtigen Erwerbstätigkeit nachgegangen ist.

Was sind Rentenpunkte?

Rentenpunkte sind der wichtigste Faktor bei der Berechnung der Rente. Sie bilden die Basis. Berechnet werden sie aus dem Durchschnittsentgeld aller Rentenversicherten. Verdient man also 25% mehr als das Durchschnittsentgeldes das eingezahlt wurde, ist die Faktor bei 1,25%. Hat man nur ein Gehalt, dass 80% des Durchschnittentgeldes entspricht, wird der Faktor auf 0,8% angesetzt. Die Höhe des Durchschnittentgelds lag 2018 nach einer vorläufigen Berechnung bei 38.873€.

Im Jahr 2019 hat der Rentenpunkt einen Gegenwert von 32,94€ (West) oder 31,79€ (Ost).

Alle Frauen (Väter ebenfalls, allerdings nur auf Antrag, wenn sie die Haupterziehungsarbeit geleistet haben), die Kinder vor 1992 erzogen haben, bekommen pro Kind zwei Rentenpunkte gutschrieben.

Mütterrente II – Neuerungen in 2019

Zum 01. Januar 2019 hat die Mütterrente eine Neuerung erfahren.
Alle Kinder, die nach 1992 geboren sind, bringen 3 Rentenpunkte für die Mütter (auf Antrag alternativ auch für die Väter) mit. Diese werden pro Kind gutgeschrieben, egal ob man einer rentenpflichtigen Erwerbstätigkeit nachgeht oder nicht.

Kinder, die bis Ende 1991 geboren sind, bekommen ab 2019 einen halben Rentenpunkt mehr ausgezahlt – statt zwei Punkten wird dieser Solidarbeitrag nun mit 2.5 Punkten vergütet.
Update: von 01.01.2019-28.02.2019 galt diese Regelung nur für Personen, die in diesem Zeitraum auch in die Rente eingetreten sind.

Update 28.02.2019: Ab dem 01.März 2019 wird pro Kind, die vor 1992 geboren sind, ein halber Rentenpunkt gutgeschrieben. Bisher war dies nur der Fall bei Leuten, die Anfang des Jahres in Rente gegangen sind – nun kommen alle Renter*innen in der Genuss dieser Änderung.

Die Berechnung der Rente

Weiter wichtig für die Berechnung der Rente ist der Zugangsfaktor. Er liegt bei 1.0, wenn man zu seinem geplanten Rentenzeitpunkt in die Rente eintritt. Dazu kommt der Rentenwert, der jährlich von der Bundesregierung geprüft wird (den Wert habe ich euch oben genannt). Dazu kommt der Rentenfaktor (in diesem Fall 1,0 für Altersrente).

Hätte man zu seinem Renteneintrittsalter also 50 Rentepunkte (zusammengesetzt aus Einzahlungsdauer in Jahre mal Rentenpunkte) gesammelt, würden diese mit dem Rentenwert (aktuell West 32,94€), dem Zugangsfaktor (1.0) und dem Rentenfaktor (1.0) multipliziert. Dies würde in diesem Fall eine gesetzliche Rente von 1647€ (West) ergeben.

Fazit Mütterrente

Das Kindererziehung mit Rentenpunkten vergütet wird, ist ein guter und wichtiger Punkt.
Kurzfristig mag dies bei der ein oder anderen Mutter auch ein kurzes Aufatmen mit sich bringen – aber man sollte nicht vergessen, dass der Wert der Rente maßgeblich von Durchschnittsentgeld getragen wird.
Bleibt man also mögliche 3 Jahre zu Hause und sammelt lediglich 3 Rentenpunkte, ist der Einzahlungswert in die eigene Rente häufig sehr viel niedriger als man anfänglich denken mag.

Es lohnt sich auf jeden Fall einen kurzen Überschlag zu machen, wenn man eine “Kinderauszeit” nimmt und die Rente dabei trotzdem im Blick haben möchte.
Ob man die fehlende Beträge hinnimmt, oder mit einer Zahlung in eine anderen Rentenversicherung / Anlagemöglichkeit kompensiert, bleibt einem selbst überlassen.

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

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