Philosophie

Kann man es als Mutter eigentlich richtig machen?

Als ich Anfang der Woche meinen Artikel aus dem Archiv zum Thema Rabenmutter mit Herz postete, las ich ihn noch einmal aufmerksam durch.
Schließlich war es schon einige Zeit her, dass ich ihn – mit dem kleinen Mädchen noch unter dem Herzen – geschrieben hatte.

Kann man es als Mutter eigentlich richtig machen?

Und – ein wenig überraschend auch für mich, nachdem nun schon über zwei Jahre Elternschaft ins Land gezogen sind – ich bin immer noch der gleichen Ansicht, wie damals, schwanger.

Wenn wir nämlich von diesem Artikel aus vorspulen, zur heutigen Zeit, sehe ich mich und meine kleine Familie und denke: wir leben unser perfektes Familienmodell.
Wir sind alle glücklich.

Ich bin glücklich, weil ich arbeiten kann und weil ich nebenbei mein Herzblut in dieses Magazin stecken darf. Weil ich Mama einer tollen Tochter sein darf, die jeden Tag mit so viel Freude und solch strahlenden Augen in die Krippe geht, dass ich nicht eine Minute daran zweifle, dass dieser Weg auch ihrer ist.
Ich bin erleichtert, einen Mann zu haben, der sich perfekt in unser Familienmodell einfügt und der Gleichberechtigung nicht nur aus der Zeitung kennt.
Er feudelt und bügelt besser als ich es jemals könnte und unterstützt uns Mädels einfach hervorragend.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich – in meiner Familienblase – die Gleichberechtigung leben darf, die sich so viele wünschen.

Leider ist die Welt nicht überall rosig.

Denn sobald ich auf andere Leute treffe – egal online oder offline – geht das Augenbrauen hochziehen los.

  • Du arbeitest Vollzeit? – – Du Rabenmutter!
  • Dein Kind ist Vollzeit in der Krippe? – – Warum hast du ein Kind, wenn du es doch nur abschiebst?
  • Dein Mann bügelt? – – Mein Gott, der Arme. Vernachlässigt.
  • Du kaufst dir Handtaschen von deinem Verdienst? – – Arbeite lieber weniger und kümmere dich um dein Kind!
  • Du hast eine Putzfrau? – – Nicht mal selber putzen tut sie!
  • Du betreibst ein Online-Sidebusiness? – – Da kannst du ja gar keine Zeit für haben, ohne dein Kind zu vernachlässigen!

Das sind meine Highlights. Die aus meinem Leben.
Dinge, die ich meistens hinter meinem Rücken über mich gehört habe – nur weniger trauen sich (natürlich unter dem Deckmantel der Besorgnis) mich direkt auf meine “Missstände” anzusprechen.

Bekanntschaften zerbrechen

Zwei Bekanntschaften habe ich zerbrechen lassen, weil sie hinter meinem Rücken gelästert haben – und ich bereue das nicht eine Sekunde.

Und ja: ich habe es beiden Damen persönlich gesagt.
Ich habe ihnen gesagt, dass ich es schade finde, dass man als Frau nicht in der Lage ist, die Lebensmodelle von anderen Familien zu akzeptieren, ohne es zu verurteilen.

Niemand ist eine schlechte Mutter, weil er Vollzeit arbeiten geht.
Niemand ist eine schlechte Mutter, weil er bei den Kindern zu Hause bleibt.

Wieso auch? Es gibt Gründe für alles.

Man kann den Leuten nur bis vor den Kopp gucken.

Es gibt wenige Zitate in meinem Leben, die mir mehr bedeuten als dieses. Ich möchte niemanden verurteilen für seine Entscheidung. Weil ich nicht weiß, warum er sie so getroffen hat.
Ja, manchmal verstehe ich sie nicht auf Anhieb, aber wie soll ich auch?

Die wenigsten Leute verstehen wahrscheinlich die Entscheidungen, die ich treffe. Müssen sie auch nicht.

Natürlich, manchmal denke ich, wenn ich andere Familien sehe: Geht’s denn wohl noch? Das könnt ihr doch nicht so machen!

Aber recht schnell kommt dann der Gedanke: Doch! Können sie! Denn: wer weiß? Wer weiß, was diese Person bewogen hat, genau dies zu tun?

Und das sollten wir uns alle auf die Stirn schreiben.
Wir wissen nicht, wieso Mama X Vollzeit arbeiten geht und Mama Y mit dem Kind drei Jahre zuhause bleibt.
Wir kennen die Beweggründe nicht.
Und es ist nicht an uns, das zu beurteilen.

Liberalität tut nicht weh. Im Gegenteil.

Es ist schön und einfach zu sagen: Das ist nicht mein Bier. Ist es nämlich tatsächlich nicht! Solange man nicht gefragt wird, geht einen das Leben von anderen Personen nichts an.

Tu du, was dich glücklich macht – ich tue, was mich glücklich macht.

Vielleicht denkt ihr das nächste Mal daran, wenn ihr euch mit einer Mutter unterhaltet, die zu Hause bei den Kindern ist – und ihr euch fragt: Wieso?
Zerbrecht euch nicht euren Kopf für andere, solange ihr nicht darum gebeten werdet – denn die Zeit könnt ihr lieber darauf verwenden eure eigenen Probleme zu lösen.

Davon gibt es im Zweifel nämlich ausreichend 😉 .

Interessanterweise merke ich immer wieder, dass gerade Frauen einander in den Rücken fallen.
Warum ist das so?
Neid? Missgunst?

Was für hässliche Gefühle!

Ich möchte meine Freundinnen und ihre Familien unterstützen. Egal, welches Lebensmodell sie gewählt haben.
Ich möchte andere, mir unbekannte Frauen unterstützen und sie ermutigen zu wählen, wie sie es für richtig halten. Zu wählen, was sie und ihre Familie glücklich macht.
Denn seien wir mal ehrlich: wer will jemandem im Bekanntenkreis haben, der missgünstigt, wie man lebt?

Ich möchte das nicht.

Ihr solltet das auch nicht wollen – denn wahre Freunde akzeptieren wortlos die Entscheidung, die ihr trefft oder hinterfragt sie offen und ehrlich.

Alles andere sind keine Freunde.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Es ist so einfach: lebt euer Leben, wie ihr es für richtig haltet. Es gibt kein falsch. Es gibt nur anders – und anders ist genauso gut wie das, was ihr gewählt habt.

Reicht euren Freundinnen und Bekannten – und Unbekannten – die Hand und sagt: du machst es genau richtig. Richtig für dich.
Ich unterstütze dich, wenn es für dich der richtige Weg ist.

Sei ein Held. Für dich und für alle anderen.

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

Add Comment

Click here to post a comment

Newsletter


Gastbeiträge vom FulltiME Magazin

… über Me-Time bei Meergedanken

5 (+1) Tipps für produktives Arbeiten im Homeoffice bei Meergedanken

… über Homeoffice mit krankem Kind bei diesesMamaDing

 

Hier findest du uns!

Don't be shy!
Wir freuen uns mit dir in Kontakt zu treten!

FulltiME Community