Brückenteilzeit – neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer in 2019

Die Bundesregierung hat im Oktober 2018 das neues Gesetz zur sogenannten Brückenteilzeit beschlossen und verabschiedet – seit Januar 2019 ist dieses jetzt in Kraft.

Hier möchte ich euch gerne einen Überblick über das neue Gesetz geben, euch einige Anwendungsmöglichkeit aufzeigen und natürlich mit weiterführenden Links versorgen, damit ihr euch allumfänglich mit dem Thema beschäftigen könnt.

Disclaimer: Das FulltiME Magazine stellt keine verbindliche Rechtsberatung dar. Wer genaue Informationen zu beschriebenen Sachlage möchte, sollte sich an den Anwalt seines Vertrauens wenden.

Weiterführende Links

Wer sich genauer mit den Rechtsgrundlagen des Gesetzes auseinandersetzen will, sollte sich vornehmlich auf der Seite der Bundesregierung umsehen.

Darüber hinaus finden wir die Erklärung des Gesetzes sehr anschaulich auf www.haufe.de dargestellt. Anwaltlich korrekt und sehr verständlich wiedergegeben ist es außerdem auf dem Blog von cms Hasche Sigle.

Hilft das Gesetz berufstätigen Eltern?

Wir möchten die Antwort auf die gestellte Frage direkt vorweg nehmen – jein.

Ja, es hilft, weil es kurz- und mittelfristig eine Lösung für Arbeitnehmer schaffen kann, die sich in einer schwierigen Situation befinden, die mit Arbeitszeitreduzierung entschärft werden kann.

Der Gesetzgeber sieht hier vor, dass jemand, der 6 Monate unbefristet in einem Unternehmen mit > 200 Mitarbeitern arbeitet, einen Antrag auf Brückenteilzeit für eins bis fünf Jahre stellen kann.
Unternehmen mit weniger als 45 Mitarbeitern müssen das neue Gesetz nicht anwenden; Unternehmen mit 45-200 Mitarbeitern müssen nur einem aus 15 Mitarbeitern dem Antrag stattgeben.

Für viele berufstätige Eltern bietet dieses Gesetzt eine tolle und unkomplizierte Lösung. Kämpfe mit dem Arbeitgeber bleiben aus und mit dem Recht auf seiner Seite können viele Eltern entspannter auf neue und ungeplante Änderungen reagieren.

Jein, weil das Gesetz die Arbeitnehmer auch teilweise fesselt. Innerhalb der Brückenteilzeit ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet den Arbeitnehmer wieder auf eine andere Stundenzahl zu heben. 
Gerade für Personen, die diese Möglichkeit nutzen, um bspw. Angehörige pflegen und ggf. früher wieder Vollzeit in den Job zurückkehren könnten, ist dies Schade.

Umkehr der Beweislast

Erfreulich zu betrachten ist hingegen die Tatsache, dass der Gesetzgeber die Beweislast eines Teilzeit-Arbeitnehmers, teilweise auf den Arbeitnehmer umgelegt hat.
Hierzu eine sehr gut verständliche Formulierung von Haufe.de:

Er (der Arbeitgeber, Anm.FulltiME Magazin) muss zwar bereits heute darlegen und gegebenenfalls beweisen, wenn dringende betriebliche Gründe oder Arbeitszeitwünsche anderer Teilzeitbeschäftigter einer Verlängerung der Arbeitszeit entgegenstehen. Künftig erstreckt sich diese Beweislast bei einer Ablehnung jedoch auch darauf, dass ein freier Arbeitsplatz nicht dem bisherigen entspricht, nicht frei ist oder dass der Teilzeitbeschäftigte, der mehr arbeiten will, unzureichend geeignet ist.

Praxisnähe

Die Anwendungen des neuen Gesetzes und wie nach Beendigung der Brückenteilzeit verfahren wird, wird sich erst im Laufe des Jahres 2020 zeigen.

Ich bin froh, dass eine einfache und (vermeintlich) unkomplizierte Lösung gefunden wurde, die Eltern hilft, ihre Vereinbarkeit von Beruf und Familie voran zu bringen.
Deutschland macht es berufstätigen Eltern nicht einfach und mit dem Brückenteilzeitgesetz wurde eine kleine Möglichkeit geschaffen für einen begrenzten Zeitraum Druck aus der eigenen Situation zu nehmen. Applaus dafür!

Leider schafft dieses Gesetz weiterhin nicht den Ausgleich in eine der größten Problematiken der Teilzeitfalle: das Rentenproblem.
Weniger Arbeit – weniger staatliche Rente. Weniger Arbeit – weniger Geld – weniger Einzahlungsmöglichkeiten in die private Rente.
Die Altersarmut schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über berufstätigen Eltern, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen wollen.
2015 waren 18% der Frauen ab 65 Jahren Altersarmut gefährdet, bei den Männern waren es 15% (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Übrigens ist Altersarmut der Frauen ein europäisches Problem, und keines, das nur Deutschland betrifft. Im Durchschnitt sind in der EU 16% der 65 jährigen Frauen von Altersarmut betroffen und 12% der Männer.
(Spitzenreiter im Kampf gegen die Altersarmut sind die Ungarn und die Niederlande, wo Frauen nur zu 5, beziehungsweise 6% betroffen sind.)

Fazit

Das Fazit fällt so Zwiegestalten aus, wie meine Antwort auf die weiter oben gestellte Frage, ob das neue Brückenteilzeitgesetz wirklich hilfreich ist.
Prinzipiell begrüße ich es sehr, dass die Bundesregierung sich den bekannten Problematiken annimmt und versucht Abhilfe zu schaffen. Gerade berufstätigen Eltern, die von diesem Gesetz profitieren können, dürften sehr erleichtert sein, dass Möglichkeiten zur Entlastung angeboten werden.

Enttäuscht bin ich darüber, dass weiterhin kurzfristig gedacht wird und keine Abhilfe für bestehende Rentenlücken geschaffen wird.
Der Arbeitnehmer muss weiterhin zwischen Familie und Job wählen, wenn er im Alter nicht “alt aussehen” will.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird also weiterhin in Deutschland ein schwieriges Thema sein.

Ich suche dich für den FulltiME Podcast!

Ich arbeite gerade mit hohem Antrieb daran für den Podcast jemanden zu finden, der Interesse hat, seine Geschichte zur Brückenteilzeit zu erzählen – natürlich mit einem zweiten Teil zum Ende der selbigen.
Solltest du also die neue Möglichkeit in Anspruch nehmen und hast Lust dich mit mir auszutauschen: ich freuen mich über deine Kontaktaufnahme unter kontakt@fulltime-magazin.de.

Ich bin gespannt auf deine Geschichte!

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Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Kennt den täglichen Kampf zwischen Vollzeitjob, Kind, Mann, Familie & Freunden. Möchte sich austauschen und vor allem eins: HELFEN.

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