Nachhaltigkeit

Bruderküken-Eier vs. Küken schreddern

In der Community kam kürzlich die Frage auf, wie genau das eigentlich ist, mit dem Küken schreddern, nachdem ich freudig festgestellt hatte, dass es nun auch bei Lidl Bruderküken-Eier gibt.

Ich nenne die Eier in diesem Artikel Bruderküken-Eier. Namen gibt es dafür reichlich – aber um es einheitlich und verständlich zu belassen, nutze ich den Namen Bruderküken-Eier.

Im fortlaufenden Artikel habe ich euch aus den einzelnen Lebensmittelgeschäften außerdem die Produktnamen (z.B. Brüderchen & Schwesterchen) genannt.

Bruderküken-Eier vs. Küken schreddern

Auf Instagram gab direkt eine Frage die nächste; und so entschied ich mich dieses Thema aufzugreifen – weil es ein Topic ist, das uns zwar beinahe wöchentlich begleitet (häufig kaufen wir beim Wocheneinkauf ja Eier), wir aber uns aber nie ganz wirklich damit auseinandersetzen.

Denn wer setzt sich schon hin und prüft diese Sache mit dem “Küken schreddern”?

Ein wichtiger Fakt zum einkaufen direkt vorweg: 4 Cent kostet ein Ei ungefähr mehr, wenn es ein Bruderküken-Ei ist – und das männliche Küken weiter leben darf.
Ich zahle die 4 ct mehr sehr gerne – wenn ich damit ein kleines Kükenleben retten kann.

In diesem Artikel geht es nicht darum den Finger zu heben und zu mahnen. Ich möchte gerne informieren – und wenn wir (die Community) gemeinsam hin und wieder darauf achten, Bruderküken zu kaufen: dann tun wir einen kleinen Schritt in die richtige Richtung.

Die Fragen aus der Community

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Was passiert mit den männlichen Küken, wenn sie keine Bruderküken sind?

Küken schreddern - muss das sein?

Das Bundesverwaltungsgericht hat beschlossen, das Küken schreddern und Küken vergasen weiterhin erlaubt ist.
Diese sogenannten Eintagesküken dürfen also – mit Stand 13. Juni 2019 – weiter aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden.

Die Richter gaben in ihrem Urteil mit auf den Weg, dass kurzfristig das Töten der Küken beendet werden muss. Es wurde deutlich zu verstehen gegeben, dass man schnell Ergebnisse erwarte und nur deshalb auf ein sofortiges Verbot verzichten würde.

Man baute auf zwei unterschiedliche Verfahren der Geschlechterbestimmung.

Die Umsetzung dauert nun aber länger an, als es den Menschen und der Politik recht ist – und so greift die Politik das Thema aktuell wieder auf, um endlich das Küken schreddern zu beenden.

Geschlechterbestimmungsverfahren

Die zwei geförderten Verfahren zur Geschlechterbestimmung sind das spektroskopische und das endokrinologische Verfahren.
Das endokrinologische Verfahren nutzt die Rewe Group bereits in ihrer “Seleggt” Methode.

Kritik der Methoden

Beide Verfahren sind noch in der Entwicklungsphase, werden aber vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit 6,5 Millionen Euro unterstützt.

Bei dem spektroskopischen Verfahren wird das Geschlecht der Küken am 4. Tag getestet (durch einen Lichtstrahl). Hier muss ein größeres Loch in die Eihülle beigebracht werden, als bei dem endokrinologischen Verfahren, was dieses bei den Produzenten beliebter macht.
Leider werden hier die Tests aber erst am 9. Tag gemacht, nachdem das Ei gelegt wurde – und es ist nicht sicher, ob die Küken zu diesem Zeitpunkt nicht schon so weit entwickelt sind, dass sie Schmerzen empfinden können. Als sicher gilt, dass der Embryo vor dem 7. Tag keine Schmerzen empfindet.

Die Eier, die bei beiden Methoden aussortiert werden, werden idR als Tierfutter weiter verarbeitet.

Gesetz-Erlass gegen das Töten von männlichen Küken

Julia Klöckner (CDU) plant zu 2021 ein Gesetz um das Küken schreddern / vergasen aus wirtschaftlichen Gründen zu verbieten.
Genauere Infos habe ich leider nicht finden können.

Was bedeutet es, wenn die Bruderküken aufgezogen werden / Werden die Küken nur nicht geschreddert, aber im Zoo verfüttert?

Man unterscheidet bei Bruderküken tatsächlich dazwischen, ob die männlichen Küken geboren werden, oder nicht.
Ein Huhn legt im Jahr im Schnitt um die 270-300 Eier – ganz egal, ob sich das Huhn vorher gepaart hat, oder nicht.

In der Regel findet man im Supermarkt nur unbefruchtete Eier; d.h. das sich Huhn und Hahn nicht gepaart haben, bevor das Ei gelegt wird.

Hat eine Paarung stattgefunden, gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Das Ei wird ausgebrütet und das (männliche) Küken wird aufgezogen. Männliche Küken brauchen in der Aufzucht mehr als doppelt so lange, wie ihre weiblichen Pendants und geben nicht so viel Fleisch wie ihre Schwestern.
    Anhand dieser Tatsache kommt auch die Preisdifferenz zustande.Der Mehraufwand an Futter, Aufzucht und weniger Fleisch muss vergütet werden.
    Das liegt daran, dass die Hähne von Legehennen abstammen, die nicht für eine Fleischproduktion gezüchtet worden sind – und entsprechend wenig Fleisch ansetzen.
    An einem Huhn, dass Fleisch ansetzt und gleichzeitig Eier legt – und somit die teure Aufzucht eines Bruderkükens mit wenig Fleisch rentabler macht – wird zur Zeit geforscht.
  • Das Küken schlüpft und wird vergast oder geschreddert.

Sind Bio-Eier automatisch Bruderküken-Eier?

Die Antwort ist einfach: Nein!

Nur weil Eier das Bio Siegel tragen, heißt es nicht, dass hier keine Küken geschreddert werden.
Leider muss man also trotzdem sehr genau hinschauen, wie genau mit den Küken umgegangen wird.

Wo bekommt man Bruderküken Eier?

Alnatura: Alnatura bietet seit 2016 Bruderküken Eier in Bio Qualität an.
Die männlichen Küken aus der Zucht werden nicht getötet, sondern aufgezogen. Alnatura labelt dies unter dem Namen “Bruderküken-Initiative”.
Die männlichen Küken werden nach der Schlachtung in anderen Speisen verarbeitet, die von Alnatura vertrieben werden, z.B. in der Alnatura Geflügel-Bratwurst.
Allerdings sind nicht alle Eier von Alnatura frei davon Küken zu schreddern. Also unbedingt trotzdem auf die Aufschrift achten.

Basic: Bei Basic kann man zu 100% sicher sein, das man Bruderküken-Bio-Eier bekommt. Das Bruderküken Fleisch wird bei Basic ebenfalls zu großen Teilen weiter verwertet. Darüber hinaus wird das Fleisch der Bruderküken nur für den menschlichen Verzehr genutzt.
Basic nennt seine Eier in diesem Bruderherz-Initiative.

Denn’s: Auch die dritte große Bio-Kette im Land bietet Haehnlein-Eier an, die Brüderküken-Bio-Eier sind. Hier aber unbedingt das Label checken. Denn’s äußert sich nicht dazu, wie viel der dargelegten Angebote Bruderküken-Eier sind.
Das Fleisch der Bruderküken wird bei Denn’s in Teilen an den Kunden verkauft (z.B. als ganzes Hähnchen).

Aldi: Der führende Discounter des Landes hat sich mit der Initiative Henne & Hahn auf die Fahne geschrieben bis 2022 das Küken schreddern abzuschaffen.
Hierfür werden bereits seit 2017 Hähne aufgezogen – allerdings nur einen Hahn pro Schlupf (dies habe ich nur bei Aldi Süd auf der Website bestätigt gefunden, nicht bei Aldi Nord).
Aus meiner Sicht ist das Augenwischerei – und zählt für mich nicht.
Weiter wird ein Verfahren zur Bestimmung des Geschlechts der Küken im Ei angewandt. Männliche Küken werden dann als Tierfutter aussortiert, weibliche Küken werden ausgebrütet.
Demeter und Bioland sprechen sich allerdings gegen diese Methode aus – denn der Test erfolgt erst am Tag 9 nach der Befruchtung. Hier kann man nicht mit Sicherheit sagen, dass die Tiere keinen Schmerz erleiden.

Lidl: Der Discounter bietet bisher in einigen regionalen Filialen Kükenherz-Eier an, die auf die Aufzucht von männlichen Küken setzen. Genannt werden u.a. Schleswig-Holstein und Hamburg. Das Produkt heißt Kükenherz.
Heißt: im größten Teil der Republik findet man bisher keine entsprechenden Eier.
Anfang Juli 2020 hat Lidl allerdings in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass sie folgende Ziele haben:

  • Eier im 6er Pack (!) aus Biohaltung sollen bis Anfang 2021 auf Küken schreddern verzichten.
  • Alle Eier aus Bio und Freilandhaltung sollen bis Ende 2021 auf das Töten von männlichen Küken verzichten.
  • Bis Ende 2022 sollen auch die Küken aus Bodenhaltung auf Kükentöten verzichten.

Rewe: Die Rewe Group verkauft verschiedene Bruderherz-Eier in den Filialen von Rewe und Penny.
Bis 2020 sollen alle Freiland-Eier mit der Seleggt Methode vorsortiert werden (männlich befruchtete Eier werden hier, wie bei Aldi getestet und dann aussortiert – das Verfahren ist, wie bereits geschrieben – allerdings fragwürdig).
Bei Rewe gibt es vereinzelt allerdings auch Spitz & Bube Bio Eier, auf jeden Fall aber Freiland / Bodenhaltung Eier. Penny labelt dies unter dem Namen Herbube.

Kaufland: Erst Anfang Juli hat Kaufland beschlossen, dass sie ab sofort auf das Töten von Bruderküken verzichten wollen. Hier handelt es sich um die Eigenmarken, die bis Ende 2021 komplett umgestellt worden sein sollen. Zur Zeit ist es also noch möglich, dass einem Eier in die Hand fallen, die keine Bruderküken-Eier sind.
Beginnen wird Kaufland mit Bio und Freilandeiern.

Eine Übersicht über alle Namen der Initiativen findet ihr auf dieser Seite.

Was ist mit verarbeitetem Ei?

Jeder Deutsche isst im Jahr 236 Eier (Stand April 2020). Davon ist gut die Hälfte der Eier in bereits verarbeiteten Produkten zu finden – und diese haben keine Kennzeichnungspflicht.
Man kann also gut und gerne davon ausgehen, dass man in verarbeiteten Produkten Eier aus den katastrophalsten Umständen findet.

Hier gibt es wohl nur drei Möglichkeiten:

  1. Augen zu und durch. Man kann Gutes tun, aber es geht nicht immer. Und das ist vollkommen ok so!
  2. Zu veganen Alternativen greifen. Viele Dinge gibt es inzwischen ohne tierische Produkte. Also einfach einmal stöbern.
  3. Selber machen und die Eier zuführen, von denen man weiß, dass sie den gewünschten Standards entsprechen.
  4. Auch möglich: in eigener Herstellung auf Ei verzichten und Alternativen zurückgreifen. Weiter unten gebe ich euch ein paar Tipps.

Gibt es Alternativen beim kochen und backen?

Zum Glück gibt es heute beim backen und kochen einige vegane Möglichkeiten auszuweichen.
Wer also bei der eigenen Herstellung gerne ausweichen möchte, der kann dies problemlos tun.

Bei alternativen Produkten ist es wichtig auf die Harmonisierung zu achten: passen die Geschmäcker zusammen? Lässt sich ein Produkt zur Verdichtung zum Beispiel nur in erwärmten Zustand verarbeiten? Nur im kalten Zustand?

Hier einige Vorschläge:

  • Haferflocken. Eignen sich eher zum backen als zum kochen. Sind geschmacklich relativ neutral und man kann sie problemlos für Bratlinge oder Pfannkuchen hernehmen.
  • Leinsamen und Chiasamen. Diese quellen gut auf, auch im kalten Zustand. Lässt sich ähnlich wie Haferflocken nutzen.
  • Johannisbrotkernmehl. Dickt auch ohne Wärme an und lässt sich am besten in kalten Speisen, wie z.B. Suppen oder Soßen verarbeiten.
  • Kartoffelstärke oder Maisstärke. Muss erhitzt werden, damit es andickt. Eignet sich daher gut zum kochen.
  • Veganes Ei-Ersatzpulver. Lässt sich wie Ei verarbeiten. Öko Test hat hier ein Ergebnisse veröffentlicht, welches Ei Ersatzpulver am besten abgeschnitten hat.
  • Apfelmus. Ich selber habe schon bei Keksen und Kuchen Apfelmus als Ersatz genommen. Klappt gut.

Wer gerne mehr zu Ei Ersatz-Produkten lesen möchte, kann gerne hier bei Peta die 20 besten Alternativen für sich abchecken.

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Dann stelle sie mir gerne in den Kommentaren oder schreibe an kontakt@fulltime-magazin.de


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Wer gerne mehr lesen möchte, kann dies zum Beispiel hier tun und einige meiner Quellen nachverfolgen:

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

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