Mindset Philosophie Stress

Es ist ok zu meckern. Es ist ok, einen schlechten Tag zu haben.

Immer wieder stolpere ich in sozialen Medien über Posts, in denen verschiedene Gruppen angegriffen werden, weil sie ihrem Frust über die derzeitige Situation Luft machen.

Gerne wird dann gesagt: Sei nicht so undankbar. Dir geht es gut und warum beschwerst du dich?

Es ist ok zu meckern. Es ist ok, einen schlechten Tag zu haben.

Das habe ich mir nun einige Tage angesehen und ich möchte an dieser Stelle sagen: Meckert! Fühlt euch schlecht! Und teilt das mit der Welt, wenn ihr das möchtet. Es ist vollkommen ok.
Es ist vollkommen ok für jeden (!!), das es sich beschwert.

Diese Situation ist eine Besondere für uns alle – und warum sollen wir nicht alle damit straucheln?

Nun gibt es sicher Gruppierungen, die es härter trifft als andere und die sich umschauen und sagen: schau mich an, ich wäre gerne in deiner Situation!

Nehmen wir zum Beispiel Alleinerziehende mit Vollzeitjob und Kindern.

Meistens ist die finanzielle Situation nicht so rosig, dass sich alleinerziehende kein großes Domizil mit Garten leisten können und zusätzlich zu der Belastung von Kinderbetreuung und Job noch eine räumlich Enge mit unausgeglichenen Kindern entsteht.

Das ist eine Situation, die unfassbar belastend und kräftezehrend sein muss. Einen Job alleine und mit Kindern zu vereinbaren ist ein Ding der Unmöglichkeit und ich möchte gar nicht wissen, wie kaputt und erschöpft einige alleinerziehende Eltern sind.


Der Spiegel hat unter dem Titel “Alleinerziehende in der Corona-Krise” einen guten Artikel verfasst, den ich euch hier gerne verlinke.


Auf der anderen Seite stehen hier vielleicht ein Elternpaar, einer ist berufstätig, der andere betreut das Kind ganztägig und muss nicht arbeiten. Es gibt einen Garten und ein großes Haus.

Hat diese Familie im Vergleich nun keinen Grund sich zu beschweren, weil sie es objektiv betrachtet erst einmal besser haben?

Ich sage: Nein.

Auch diese Familie kann sich der Situation nicht gewachsen fühlen, denn niemand kennt man alle Faktoren.

Einige Menschen sind äußerst stressresistent und können schier unmögliche Kräfte mobilisieren.

Wieder andere haben das nicht. Haben vielleicht eine Krankheit, die nicht viel einschränkt, die nun aber in dieser Situation Probleme bereitet.
Man versteht sich mit dem Partner nicht mehr gut – oder das Kind leidet sehr stark unter der bestehenden Situation.

Vielleicht sind finanzielle Nöte sind entstanden, oder die Sorge um die nahen Familienangehörigen sind besonders ausgeprägt.

Man kennt niemals das komplette Bild

Es gibt zu viele Faktoren, die diese besondere Situation beeinflussen und die wir nicht kennen.
Jemand, dem es rein objektiv gut gehen sollte, geht es vielleicht einfach mental schlecht, weil er / sie unter der Beschränkung der Sozialkontakte leidet.

Es ist immer einfach zu sagen: also du, du solltest dich nicht beschweren. Ich habe es offensichtlich viel schlechter getroffen, als du.

Aber das weiß man nicht.

Vielleicht sind die Alleinerziehenden gestresst und müde, körperlich ausgelaugt (was schlimm genug ist), haben aber einen krisensicheren Job und zum Glück einen flexiblen Arbeitgeber.

Und die “privilegierte” Familie? Vielleicht bestand vorher ein gut laufendes Familien-Business, dass nun auf Grund der Situation komplett runtergefahren wurde und die finanziellen Mittel werden knapp – weil man auch die Verantwortung für Angestellte tragen muss? Der Vater arbeitet rund um die Uhr, um das Business wieder zu reaktivieren und die Mutter ist rund um die Uhr mit einem kleinen Kind alleine, hat einen großen (!) Haushalt und Garten.
Außerdem vielleicht eine krebskranke Mutter, die im Krankenhaus liegt und um deren Wohlergehen sie sich permanent in dieser besonderen Situation sorgt.

Was ich sagen will: man kennt niemals das komplette Konstrukt.

Wenn die Mutter der Familie nun in den sozialen Medien schreibt, dass sie nicht mehr mag, weil die Situation einfach doof und anstrengend findet – dann würde man, weil man sie nur oberflächlich kennt (aus guten Zeiten!), erst einmal denken: was willst du?
Du hast einen Mann, der viel Geld nach Hause bringt, hast ein gesundes Kind, ein großes Haus und Garten. Was ist dein Problem?

Ich möchte appellieren an alle dort draußen, die unbedacht auf die Aussagen von Menschen, die sich einmal Luft machen möchten und sagen: ihr kennt nicht die ganze Geschichte.
Es ist nicht alles Gold was glänzt – und vielleicht ist jemand, der auf den ersten Blick das schlechtere Los gezogen hat, am Ende doch besser dran?

Menschen zu verurteilen ist einfach und geht schnell – ist aber auch genauso falsch.

Nehmt euch entweder die Zeit und fragt nach: was läuft denn falsch? Brauchst du Hilfe? – – – und wenn ihr das nicht wollt oder könnt, dann entfolgt oder klickt das Fenster zu.

Es ist besser nichts zu sagen, als etwas unüberlegtes und unnötiges.

Diese Zeiten sind hart genug. Seid nett zu einander und unterstützt euch. ❤️


Wie wir das Homeoffice strukturieren #Corona

In diesem Artikel berichte ich euch, wie wir das Homeoffice mit Kind und zwei Vollzeitjobs strukturieren.


Alle Artikel zum Thema #Corona

Hier findet ihr alle Artikel, die sich in Zeiten von Corona mit dem Thema Vereinbarkeit befassen.

Tags

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

Add Comment

Click here to post a comment

Newsletter


Abonniere den Podcast!

Hier findest du uns!

Don't be shy!
Wir freuen uns mit dir in Kontakt zu treten!

Instagram

Instagram has returned empty data. Please authorize your Instagram account in the plugin settings .

FulltiME Community

Meine Empfehlung

Ein toller Kurs, der mir hilft, Instagram zu verstehen & optimal für das FulltiME Magazin zu nutzen. Ich bin begeistert 💙