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Achtsamkeit gegen die Herausforderungen des Elternalltags

Ich freue mich, dass ich für den heutigen Beitrag die liebe Janina von Die Personalistas gewinnen konnte – sie hat einen tollen Beitrag das Magazin vorbereitet.
Janina ist selber Mama und hat es sich mit ihrer Seite zur Aufgabe gemacht, Mamas mit positiver Psychologie zu unterstützen. Mehr findet ihr auf ihrem Social Media Kanal und auf der Webseite.

By Janina Germann | Die Personalistas

Mein Großer ist gerade 4 Jahre alt geworden. An den guten Tagen könnte ich Tränen der Rührung vergießen, weil er so liebevoll mit seiner kleinen Schwester umgeht und einfach ein pfiffiges, süßes Kerlchen ist. Und dann gibt es Tage…da könnte ich weinen vor Verzweiflung, weil er uns einen Trotzanfall am nächsten beschert und wir in diesen Momenten scheinbar einfach NICHTS richtig machen können.

Achtsamkeit gegen die Herausforderungen des Elternalltags

Es sind diese Momente, die uns als Eltern auf die Probe stellen. Wir diskutieren stundenlang, was wir besser oder auch nur anders machen könnten, um diese für alle beteiligten nervenaufreibenden Abende erträglicher zu gestalten. Wir wälzen Ratgeber und sind zu allen Erziehungsexperimenten bereit, um nicht doch noch am Ende die Nerven zu verlieren. Wir wollen auch noch ein paar Stunden nach dem emotionalen Sturm überzeugt von unserer Reaktion und unserem Umgang mit den Kindern sein. Wir wollen das Gefühl haben, zu unseren Kindern durchzudringen, ohne unsere Erziehungsgrundsätze völlig aufzugeben.

Seit meiner Ausbildung in positiver Psychologie ist „Achtsamkeit“ für mich nicht länger ein hippes Buzzword sondern hilft mir, im Selbstversuch mit solchen Herausforderungen des Elternalltags besser umzugehen. Wir reflektieren unser Verhalten und das unseres Sohnes und achten auf die Dynamik des Moments. Zumindest sind mir meine Nerven diesen Versuch wert…

  1. Was bedeutet Achtsamkeit für Eltern?

Ich finde es hilfreich, sich Achtsamkeit als eine besondere Form der Konzentration auf den gegenwärtigen Moment vorzustellen, in dem wir aufmerksam, wert- und urteilsfrei wahrnehmen. Das bedeutet auch, das ständige Multitasking der Gedanken zu unterbrechen.

Mindful parenting oder „achtsames Elternsein“ betont dabei die Wahrnehmung der eigenen Gefühle. Natürlich löst der 10. Trotzanfall in mir negative Gefühle aus (nicht zu knapp!), das Entscheidende allerdings ist, dass ich nicht gedankenlos und impulsiv danach handle, wie mir im ersten Moment vielleicht zumute ist. Das würde ich nämlich ziemlich sicher im Anschluss bereuen und selbst nicht als wertvollen Erziehungsstil betrachten.

Aber gehen wir es doch einmal ganz objektiv und sachlich an. Was haben wir als Eltern davon, reflektiert und wohlüberlegt mit unseren Kindern umzugehen? Für uns ist es schließlich auch immer wieder eine Anstrengung und Herausforderung, unsere Impulse entsprechend zu regulieren anstatt uns Luft zu machen.  

  • Welche Vorteile hat Achtsamkeit für Eltern?

Der buddhistische Mönch und Schriftsteller Thich Nhat Hanh hat festgestellt, dass durchaus auch Kinder schon für die positiven Effekte von regelmäßigem Achtsamkeitstraining empfänglich sind. Kinder, denen man Achtsamkeit in ihrem Alltag vorlebt, werden demnach ruhiger, entwickeln ein verbessertes Selbstbewusstsein, lernen ihre Impulse zu kontrollieren und können mit schwierigen Situationen besser umgehen.

Entsprechendes zeigt auch eine umfangreiche US-Studie: Im Rahmen dieser Untersuchung wurden 600 Eltern von Kindern zwischen 3 und 17 Jahren interviewt um herauszufinden, welchen Effekt der achtsame Umgang der Eltern auf das Wohlbefinden der Kinder hat. Die Auswertung hat gezeigt, dass diejenigen Kinder, deren Eltern im Umgang aufmerksamer, weniger reaktiv und bewertend waren sowie auf harsche Erziehungsmethoden verzichteten, prozentual weniger auffällige Verhaltensweisen aufwiesen.

Last but not least birgt Achtsamkeit einen sehr pragmatischen Vorteil: Als berufstätige Eltern stehen wir zeitlich fast immer unter Druck. Es kostet neben Nerven auch unheimlich viel Zeit, wenn das abendliche Zubettgeh-Ritual in einen stundenlangen Kampf ausartet. Zwar steht Achtsamkeit vordergründig eher für Entschleunigung als für ein effektives Zeitmanagement. Wenn wir es aber schaffen durch achtsame Kommunikation größere Ausbrüche zu verhindern oder abzumildern, kann sich das durchaus als effektive Strategie erweisen, um seinen heiligen Feierabend zu bewahren.

Überzeugt? Dann fehlt dir an dieser Stelle noch eine konkrete Hilfestellung, wie du das Gesagte für dich und deine Familie nutzen kannst:

  • Konkrete Tipps für deinen Alltag

Achtsamer Umgang mit sich selbst

  • Den persönlichen Rhythmus berücksichtigen

Jeder Mensch hat Phasen in denen er leistungsfähiger und belastbarer ist und Zeiten, in denen einem der Sinn eher nach Auszeit und Kraft tanken steht. Obwohl man durch äußere Umstände natürlich an gewisse Zeitfenster gebunden ist, kann man dennoch versuchen, seinen Tagesrhythmus und den der Familie so weit wie möglich anzupassen. Für mich bedeutet das z.B., dass ich nach 18 Uhr eigentlich zu nichts mehr zu gebrauchen bin, aber wenn es sein muss um halb 5 aufstehen kann, um gewisse Dinge zu erledigen. Auch im Rahmen des ganz normalen Alltaggeschehens wie beim Frühstück machen, Kinder in den Kindergarten bringen, zur Arbeit fahren usw. kann man sich kleine Inseln suchen, die einem kurze Verschnaufpausen ermöglichen, sofern man sie denn richtig wahrnimmt und „zelebriert“. Ich persönlich habe es beispielsweise sehr genossen, morgens auf dem Weg zur Arbeit meinen Lieblings-Podcast zu hören und schon mal einen ersten Kaffee zu trinken.

  • Kein reales oder gedankliches Multitasking!

Achtsamkeit bedeutet Verzicht auf Multitasking und Konzentration auf nur eine Sache. Dazu zählen auch die unendlichen Gedankenwirbel rund um den Einkauf, den Putzplan oder das zu kochende Abendessen. Wenn du solche Gedankenabläufe bemerkst, während du eigentlich gerade mit deinem Kind spielst, versuche sie aktiv zu unterbrechen, indem du dich mit deinem Kind unterhältst oder dich wieder aktiv ins Geschehen einbringst. Demgegenüber gibt es natürlich Momente, in denen du dich wirklich auf diese Dinge konzentrieren musst und möchtest. Dann ist es ebenso erlaubt, sich Zeit dafür zu nehmen und die Kinder zu bitten, sich selbst zu beschäftigen. Ich habe dafür eine Art Tageskalender für meinen Großen gebastelt, indem gewisse Routineaufgaben sowohl meiner- als auch seinerseits mit Fotos dargestellt sind. So weiß er beispielsweise, dass Mama um 17 Uhr das Abendessen vorbereitet und währenddessen keine Zeit zum Spielen hat.

Achtsame Beziehungen

  • Wie ist euer Status Quo?

Nach dem Beziehungsexperten Dr. Gottman braucht es für gesunde und stabile Bindungen fünfmal mehr positive Interaktionen als negative. Wie sieht das bei euch aus? Welche Ratio herrscht in eurer Familie, wenn du dir die letzten Wochen einmal genauer in Erinnerung rufst? Diese erste Reflektion hilft dir dabei, in Zukunft bewusster, überlegter und somit achtsamer zu kommunizieren.

  • Weniger ist mehr

Kinder haben heutzutage einen zunehmend eng getakteten Tagesablauf. Im Vergleich zur Kindheit unserer Eltern hat ein Kind der heutigen Generation quasi einen Fulltime-Job und nur noch sehr selten Gelegenheit zu freiem, nicht angeleitetem „Sein“. Wenn dein Kind also den halben Tag in Kita oder Kindergarten verbracht hat, war das bereits relativ viel Input und ein langer Zeitraum über den hinweg er oder sie sich anpassen und gewisse Regeln befolgen musste. Es ist dann nicht notwendig bzw. sogar überfordernd für ein Kleinkind, jeden Nachmittag mit weiterem Programm in Form von Playdates, Musikgarten, Kinderturnen und dergleichen mehr beschäftigt zu werden. Anstatt also das Kind zu hetzen und den gesamten Tag von A nach B und zurück nach C zu fahren, nimm für euch alle den Druck heraus und habt auch einfach mal zwei Nachmittage in der Woche nichts vor. So entstehen auch wieder Zeitfenster für die positive Interaktions-Ratio!

  • Gemeinsam üben

Im Alltag mit Kindern sind Routinen der heilige Gral. Aber gerade weil wir sie so häufig und automatisiert tun, sind sie die perfekte Einladung um abzuschweifen. Versucht einmal Tätigkeiten wie das gemeinsame Essen, den Weg zum Kindergarten, das Abendritual oder ähnliches mehr ganz bewusst vorzunehmen.

Achtsame Kommunikation

Ich bin inzwischen ein großer Fan von achtsamer Kommunikation mit Kindern, insbesondere wenn der nächste Wutausbruch droht. Für mich war der eigentliche Gamechanger dabei zu verstehen, was im Gehirn eines Kindes in einer solchen Situation vor sich geht. Wenn ein Kind einen derartigen Ausbruch erlebt, ist die linke Hirnhälfte nicht aktiv. Sie ist für Logik, Klarheit und Ordnung zuständig, sie ist sozusagen der Hüter des Gesetzes. Die rechte Hirnhälfte dagegen ist die intuitive und emotionale, die in diesen Momenten das Ruder übernimmt. Dazu gesellt sich das untere, impulsiv gesteuerte Gehirn und versperrt den Weg nach oben, zu demjenigen Gehirnareal, das für komplexere Prozesse wie z.B. die Regulation von starken Emotionen zuständig ist. Fakt ist demnach: erst wenn die subjektiv hoch dramatischen Bedürfnisse erfüllt werden, können sie verschwinden. Die Gefühlswelle muss also erst einmal durchlaufen, bevor ein Kind wieder offen für Lösungen sein kann. Konkret bedeutet das, sich als Eltern auf den Gefühlssturm einzulassen, empathisch zu reagieren und es nicht abzulehnen oder selbst aufgebracht und autoritär zu antworten. Anstatt also die linke, inaktive Gehirnhälfte anzusprechen und das untere Gehirn bzw. die Amygdala durch Androhung von Strafen oder Ultimaten weiter zu verärgern, können wir mit unseren Kindern üben, lösungsorientiert zu denken und so das obere Gehirn und die linke Hälfte zu (re-)aktivieren und in der Entwicklung unterstützen. Für weitere Anregungen und Alltagsbeispiele dazu empfehle ich von Herzen Daniel Siegels Bücher.

Fazit: good things take time!

All diese Schritte wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von heute auf morgen in deinen Alltag integrieren. So funktioniert der Mensch einfach nicht. Es braucht seine Zeit, neue Gewohnheiten in sein Leben zu lassen und vor allem, sich auf eine neue Art zu denken einzulassen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass es sich in jeglicher Hinsicht lohnt! Und dabei ist es auch gar nicht notwendig päpstlicher als der Papst zu sein. Natürlich lande ich auch selbst oft in einer Gedankenspirale oder mir rutschen wenig achtsame Töne im Umgang mit meinen miesgelaunten Kindern heraus. Ja. Aber ich bin mir dessen mehr und mehr bewusst. Und genau das hat Potenzial! Je mehr wir uns „ungutem“ Verhalten bewusst sind, umso eher bauen wir neue neurologische Autobahnen in unserem Gehirn und polen es so auf positivere Denk- und Verhaltensmuster. Jedes Innehalten ist so schon ein wertvoller Schritt in die richtige Richtung.

Mehr zu diesen und weiteren spannenden Themen rundum Mindset und Positive Family Life Design gibt es bei den Personalistas:

Website: www.personalistas.de

Instagram: @diepersonalistas

Facebook: @diePersonalistas

Weitere Gastartikel findet ihr hier:

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