Mediation

Teil #5a: Wir wollen zusammenbleiben – so funktioniert eine Paarmediation

Im Radio hörte ich nun wieder die Meldung, dass jede dritte Scheidung direkt nach dem Urlaub eingereicht wird. Wieso ist das so?

Hat man im Urlaub einfach mehr Zeit zum Streiten? Oder auch so viel Zeit, dass ein solcher Streit so eskaliert, dass man sich sofort scheiden lassen will?

Teil #5a: Wir wollen zusammenbleiben – so funktioniert eine Paarmediation

Ich hoffe, dass Ihr alle einen wunderschönen Sommerurlaub mit Eurem Partner und/ oder Familie verbracht habt!

Wir wissen alle, dass es in einer Partnerschaft Höhen und Tiefen gibt. Wir werden älter, die Lebensumstände ändern sich, wir werden Eltern, unsere eigenen Eltern brauchen uns, wir sind berufstätig.

Wie schaffen wir es, dass unsere Partnerschaft dabei nicht auf der Strecke bleibt?

Wir schaffen das entweder „einfach so“,

oder wir finden uns damit ab, nebeneinander her zu leben, zu funktionieren oder im Dauerstreit zu sein.

Oder wir trennen uns.

Oder wir tun etwas FÜR unsere Beziehung: wir sprechen (mehr) miteinander, wir machen eine Paartherapie, gehen zur Eheberatung oder machen eben eine Paarmediation.

Wenn ein Paar entschieden hat, dass es etwas aktiv FÜR die Beziehung unternehmen möchte, muss es noch den für sich passenden Weg finden.

Heute zeige ich Euch gerne an einem tatsächlichen Fall auf, wie eine Paarmediation ablaufen kann. Dazu habe ich zum Schutz meiner Medianden mehrere Fälle miteinander kombiniert und Parameter geändert.

Phase 1

Ich lernte Michael, 34 Jahre alt, Kaufmännischer Angestellter, und seine Frau Beate, 37 Jahre alt, Lehrerin, im Frühjahr 2018 kennen.

Sie kontaktierten mich, weil ich ihnen als Mediatorin empfohlen worden war. Sie berichteten, dass sie seit 10 Jahren verheiratet sind und zwei Kinder haben: einen achtjährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter.
Sie sagten, dass sie viele Probleme haben und sehr viel und sehr laut streiten. Das wollen sie nicht mehr.


Sie haben entschieden, dass sie zusammenbleiben möchten, und zwar für sich als Paar, aber auch für ihre Kinder. Eine Paartherapie hatte Michael nach zwei Terminen abgebrochen, das war ihm einfach „zu psycho“. Seine Frau sagt, dass ihm die Paartherapie einfach zu tiefgehend war.
Er tue sich schwer, über Gefühle zu sprechen. Michael nickte dazu…

Ich erklärte den beiden, dass eine Mediation ein strukturiertes, vertrauliches Verfahren ist, bei dem sie freiwillig,  eigenverantwortlich und selbstbestimmt ihre Konflikte bearbeiten und im Idealfall durch einen Konsens lösen können.

Ich erklärte ihnen den Ablauf in fünf Phasen und dass ich ihnen keine Ratschläge geben werde. Ich würde sie aber sehr gerne durch dieses Mediationsverfahren leiten. Beate und Michael entschieden sich dazu, mir zu vertrauen und mit der Mediation zu beginnen.

Phase 2:

Nun bat ich Michael und Beate darum, mir die Themen zu nennen, über die sie sprechen möchten.

Ich stellte den beiden verschieden farbige Post-It Zettel zur Auswahl.
Beate entschied sich für grün, Michael für blau.
Ich schrieb die von Beate genannten Themen somit auf grüne Post-It Zettel, die von Michael genannten Themen auf blauen Post-It Zettel.
Je Thema gab es einen Zettel.

Über manche Themen, wie zum Beispiel das Thema „Ausgehen“ wollten beide sprechen, über das Thema „Haushalt“ wollte nur Beate reden.

Michael nannte das Thema „Sexualität“, Beate nicht. Anschließend klebte ich die Themenzettel in zwei Spalten – eine für Beate, eine für Michael – an ein Flipchart.
Themen, die beide genannt hatten, klebte ich nebeneinander.

Ich bat nun beide darum, aufzustehen und sich ihre Themen anzusehen. Beide hatten jeweils vier Themen genannt.
Das empfanden beide als fair. Durch die Visualisierung konnten sie erkennen, dass sie auch drei gemeinsame Themen (Ausgehen, Kindererziehung, Familienleben) haben.

Bezüglich der Themen, die nicht beide genannt hatten, verständigten sie sich darauf, dass sie sich einfach entgegenkommen: jeder hatte ein Thema eingereicht, das der andere nicht genannt hatte – beide sollten zusammen mit den gemeinsam genannten Themen besprochen werden.

Ich bat Beate und Michael darum, aus ihren Themen eine Agenda zu bilden. Sie sollten also nun beide erarbeiten, in welcher Reihenfolge sie über ihre Themen sprechen wollten. So sah ihre gemeinsame Agenda dann aus:

  • Ausgehen
  • Kindererziehung
  • Haushalt
  • Familienleben
  • Sexualität

. . .
. . .
. . .

Wie es in diesem Fall und beim nächsten Termin weiterging, erfahrt Ihr am nächsten #Mediationsmittwoch, den 16. Oktober 2019.

About the author

Nadine

Nadine

Nadine ist Mediatorin, Projektleiterin und Gastautorin im FulltiME Magazin. Sie schreibt im Magazin über das Thema Mediation und steht euch für Fragen hierzu unter kontakt@konsens-lotse.de zur Verfügung.

12 Comments

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    • Hallo Britta,

      vielen Dank für Dein Kommentar!

      Ja, das Miteinander-reden ist sehr wichtig! Und wenn das zu zweit nicht mehr geht, ist es gut zu wissen, dass man sich Unterstützung von außen einholen kann. Das kann ein Familienmitglied, ein guter Freund, eine Beratungsstelle oder eben ein Mediator sein…

      Viele Grüße,
      Nadine

  • Die Paarbeziehung mit Kindern aufrecht zu erhalten ist wirklich ein großes Problem! Bei uns fangen alle Probleme, die wir mal überwunden hatten mit Baby Nr. 2 irgendwie von vorne an. Auch die themenauswahl würde bei uns ähnlich aussehen. Es scheint also immer wieder dasselbe Muster zu sein 🙂
    Ich würde mich immer wieder dazu entscheiden, um meinen Partner zu kämpfen. Toll, dass du solche Möglichkeiten dazu bietest!
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

    • Hallo Wioleta,
      herzlichen Dank für Deine wertvolle Rückmeldung!
      Ja, es heißt ja auch immer, dass eine Beziehung eine Baustelle ist, an der man stets zu arbeiten hat…
      Ich freue mich auch über jede Paar-Mediation, die ich begleiten darf und darüber, dass die Paare dran bleiben und ihre Beziehung aufrecht erhalten wollen, nur künftig eben anders als bisher…

      Selbstverständlich kann es auch der Fall sein, dass sich ein Paar wirklich trennen will. Um hier eine gute Regelung für das künftige Miteinander (zum Beispiel die Wohnsituation, das Sorgerecht für die Kinder etc.) zu erarbeiten, kann eine Trennungs- bzw. Scheidungs-Mediation sehr hilfreich sein. Dazu mehr in einer der kommenden Folgen der Mediationsserie hier im FulltiME Magazin…

      Viele Grüße,
      Nadine

  • Ich finde es super, wenn man sich dafür entscheidet, zusammenbleiben zu wollen und die Probleme anzugehen. Ich denke auch, dass diese Probleme bei vielen Paaren ähnlich sind. Denn das sind die Themen, die im Alltag eben auftreten und mit den Jahren immer größer werden.

    Liebe Grüße,
    Diana

    • Hallo Diana,

      danke für Dein Kommentar.
      Tatsächlich, die Probleme und Themen, die ein Paar unzufrieden machen, ähneln sich oft.
      Es kann aber auch ganz individuelle Themen geben. Aber es stimmt: die Themen werden im Laufe der Jahre immer größer und schwerwiegender, wenn man nicht darüber spricht.

      In erster Linie geht es den Paaren darum, sich auszutauschen und ein gegenseitiges Verständnis zu erarbeiten – das hilft bei der Suche nach Lösungsoptionen sehr!

      Darum wird es auch hier im Teil #5b gehen…

      Viele Grüße,
      Nadine

  • Früher sagte man doch oft, dass sich im Urlaub zeigt, ob man eine Basis für eine Beziehung hat. Ich denke, das ist tatsächlich so – denn im Urlaub verbringt man einfach viel mehr Zeit miteinander und hockt im Zweifel 24/7 aufeinander. Deshalb finde ich es enorm wichtig, dass man sich auch im Urlaub mal kleine Pausen voneinander gönnt, zum Beispiel mal einen Nachmittag etwas getrennt voneinander unternimmt.
    Aber das wird natürlich alles viel schwieriger, wenn auch noch Kinder im Spiel sind.

    • Hallo Miriam,

      vielen Dank für das Teilen Deiner Gedanken!
      Ja, ich hatte auch mal eine Paar-Mediation, bei der das Thema Urlaub recht weit oben auf der Agenda stand.
      Bei den beiden ging es in erster Linie darum, dass sie unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Vorstellungen bei der Gestaltung des Urlaubs hatten, was immer wieder zu Streit geführt hatte.

      Durch die Mediation konnten sie sich darüber austauschen und somit ihre Urlaube künftig so gestalten, dass beide – und im Nachgang auch die gemeinsamen Kinder im Teenageralter – ihren gemeinsamen Urlaub genießen konnten…

      Viele Grüße,
      Nadine

  • Ich finde es wunderbar, wenn Paare in der heutigen Zeit, in der alles nur noch kurzzeitig konsumiert wird, an ihrer Liebe wachsen wollen. Dazu gehören zwangsläufig auch schwierige Phasen. Der Weg einer Paarmeditation klingt dabei nach einer schönen Möglichkeit der Problemlösung.

    • Hallo Marie,

      vielen Dank für Deine positive Anmerkung…
      Ja, bei einer Mediation geht es eben auch darum, seine Probleme zukunftsgerichtet, eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu bearbeiten und im Idealfall durch einen Konsens zu lösen…

      Viele Grüße,
      Nadine

    • Hallo Claudia,

      ich danke Dir für Dein Kommentar.
      Richtig – und an diesen kann man man gemeinsam arbeiten und wachsen…

      Viele Grüße,
      Nadine

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