Mindset

Rabenmutter mit Herz ♥︎

Heute findet ihr wieder einen Beitrag aus meinem privaten Archiv zu lesen. Ich hoffe er gefällt euch so gut, wie die bisherigen Artikel.


Letztens beschäftigte mich das Thema Erwartungen an Mütter.
Ein Thema, das ist sehr weit gefächert.

Die Gesellschaft hat Erwartungen an mich, ich habe Erwartungen an mich, an meine Freunde, Familie und .. ja, überhaupt ans Leben.

Rabenmutter mit Herz ♥︎

Alles an sich nicht wild, schließlich haben wir uns alle Jahrzehntelang damit auseinandergesetzt mit diesen Erwartungen Konform zu gehen. Wir wuchsen hinein und haben gelernt sie mit der Zeit zu akzeptieren. Alles machbar und kein Unding.

Nun beginnt mit der Schwangerschaft ein neuer Lebensabschnitt – und später, wenn ich aus der Elternzeit zurückkehre ein, Achtung! : neuer Erwartungsabschnitt.
Ja, das Wort gibt es nicht, aber es beschreibt am Besten, was mir durch den Kopf geht und was ich gerne heute an Gedanken mit euch teilen möchte.

Ich habe den Plan nach 12 Monaten Elternzeit wieder in meinen Job zurück zu kehren. So weit, so gut.

Für mich war auch immer klar, dass ich in Vollzeit wieder zurückkehren möchte. 

Finanziell könnten wir es sicher verkraften, wenn ich ein paar Stunden auslassen würde, aber ich möchte es nicht. Plump könnte ich es zusammen fassen mit: Ich möchte weiterhin teure Handtaschen kaufen und ohne Bedenken meinem Kind Dinge kaufen, die vielleicht nicht einmal unbedingt notwendig sind.

Früher hat man das nicht gemacht. Meine Eltern haben jede Mark drei Mal umgedreht, bevor sie sie ausgegeben haben, weil man erwartete, dass meine Mutter drei Jahre das Kind zu Hause hütete. Geld konnte schließlich mein Vater ranbringen.
Über Zuschüsse von Vater Staat müssen wir nicht reden. Verlorene Rentenansprüche und so weiter.. Das führt zu weit.

Wir haben uns weiter entwickelt.

Trotzdem ist es noch heute so, dass man, wenn man “frühzeitig” aus der Elternzeit zurückkehrt, eher komisch angeschaut wird.

Denn, die Zeit mit dem Kind, werden viele sagen, ist so wichtig – und ich stimme zu.

Aber ich weiß, dass ich als Frau – als Mensch! – diese Goodies brauche. Ich kann und will nicht meinen Mann bitten, meine Handtaschen zu zahlen, oder andere Blödsinnigkeiten.
Und ich weiß, dass mich diese Blödsinnigkeiten glücklich machen, weil ich ein Mädchen bin, dass genau auf diese Dinge steht. Jeder nach seiner Facon, nicht wahr? Jemand, der verzichten kann, hat meinen vollen Respekt. Ich kann und ich will es nicht.
Ich will es ganz bestimmt und überhaupt nicht.

Nun hat man aber die Erwartung, dass ich mich als Mutter voll und ganz hingebe. Wer braucht schon Handtaschen, Arbeit oder neue Pumps: Mutter sein ist ausreichend!
Sagt man so. Glaube ich nicht.
Sehe ich nämlich in meinem Freundes-, Bekannten-, und Arbeitsumfeld.

Mama sein macht einen für eine gewisse Zeit glücklich. Rundherum. Aber dann irgendwann kommt der Mensch “von früher” wieder durch. Mit eigenen Bedürfnissen.
Kaum zu glauben.

Herr im Himmel! Hilf diesen armen Frauen!

Aufschrei! Aufschrei!

Ich höre ihn schon.
Als Mutter ist es ja quasi verboten, Dinge zu lieben, die nicht für das Kind sind, Dinge zu mögen, die teuer sind und einem selber gehören, egoistisch an sich selber zu denken und nicht alles Herzblut in das Kind zu stecken.

Muttis geben alles an das Kind. Liebe, Geld, Zeit.

Interessanterweise nämlich – habt ihr darüber schon einmal sinniert? – fragt niemand den Vater nach Zeit mit dem Kinde.
Niemand sagt: Aber lieber Papa, du musst kürzer treten, damit du mehr Zeit mit deinem Kind verbringen kannst.
{Väter habe andere Päckchen zu tragen, darüber müssen wir nicht reden.}

Selbst wenn man den finanziellen Aspekt außen vor lässt, ist es ganz klar die Mutter, die den schwarzen Peter zieht und die Rabenmutter ist.
Als Mutter ist es nicht erlaubt sich etwas zu leisten. Sich schöne Dinge zu kaufen. Weiter Frau zu sein, Mensch.

Man erwartet eine vollkommene Transformation zur Mutter.

Aus der heutigen Sicht würde ich sagen: Vollkommene, selbstlose Aufgabe meiner alten Persönlichkeit.
Man erwartet, dass alle Einbußen ohne Klagen hingenommen werden. Denn Klagen stehen einer “echten” Mutter nicht.

Und wenn ich doch klage: werde ich verurteilt. Und mein Kind noch mit oben drauf. Das ist das Kind der Frau, die sich noch immer teure Schuhe kauft. Oh-oh.

Zack, biste eine Rabenmutter.

Ich werde so eine Rabenmutter. 

Ich möchte wieder 40 Stunden arbeiten. Ich möchte mich 40 Stunden in der Woche nicht mit vollen Windeln beschäftigen. Nicht darüber nachdenken, ob mein Kind jetzt Peek-a-boo oder Kille-Kille spielen möchte.

Ich möchte am Ende des Monats überlegen: Oh, da ist noch Geld – ich brauche eine neue Handtasche. Oder: mein Baby braucht dringend dieses total überflüssige, aber hinreißend niedliche Kleid von Burberry.

Und ich will nicht mit meinem Mann darüber diskutieren, ob er das auch will, weil ich es von seinem Geld bezahlen müsste (er würde das nicht diskutieren, davon mal ganz abgesehen, aber ihr versteht das Prinzip).

Manchmal aber, da habe ich Angst vor meiner eigenen Courage.

Denn seien wir mal ganz ehrlich: 10 Stunden weniger in der Arbeit würden mir das Leben direkt ungemein erleichtern.
Ich würde jeden Tag zwei Stunden früher Feierabend machen und müsste nicht morgens in aller Herrgottsfrühe anfangen zu arbeiten, damit ich um 16.45 wieder an der Kita stehen kann, um unsere Tochter pünktlich abzuholen.

Ich lese immer wieder, dass ich dann ein schlechtes Gewissen haben werde, weil ich meinen Arbeitgeber “so früh” im Stich lasse, dass dann nahtlos übergeht in ein schlechtes Gewissen, dass ich meine Tochter so spät erst abhole.

Und Abends, wenn ich dann müde und erschlagen früh ins Bett gehe, werde ich ein schlechtes Gewissen haben, weil ich nicht ausreichend Zeit mit meinem Mann gehabt habe. Weil er vielleicht das Abendbrot richten, oder schnell einkaufen musste.

Und weil ich ihn nicht in den Arm genommen habe, nach dem langen Arbeitstag und dem stressigen Abend zu Hause.

Man erwartet schließlich, dass ich, wenn ich schon eine Rabenmutter bin, dann den Rest locker aus dem Ärmel schüttle. Hat sie sich ja selber ausgesucht, die Gute.

Man erwartet und erlegt mir diese schlechten Gewissen auf. Ich muss diese schlechte Gewissen haben.

Aber muss ich das wirklich? Ich habe meine 8 Stunden gearbeitet und mein Herzblut in dieser Zeit ganz meinem Arbeitgeber gegeben. Wenn ich gehe, kippt die Bude nicht um. Denn seien wir mal ehrlich: ich bin nicht unersetzbar.

Sind wir unersetzbar?

Unsere Tochter hat nicht alleine zu Hause gesessen und musste sich alleine versorgen. Sie ist in einer äußerst gut bezahlten Einrichtung, in der Profis sie betreuen und in der andere Kinder mit ihr spielen so lange wie sie möchte. Hier möchte ich nicht sagen Ich bin unersetzbar, aber seien wir doch mal ehrlich: solange ich Abends wieder komme und mein Mädchen abhole, bin ich genauso ersetzbar, wie jeder andere auch.

Und mal ernsthaft: mein Mann ist ziemlich erwachsen, der kommt drei Mal ohne mich aus.

{Ob einer der Parteien ohne mich auskommen will, steht auf einem anderen Blatt.}

Das einzige schlechte Gewissen, dass ich haben sollte, ich das mir selbst gegenüber. 

Warum? Weil ich mir diese Gedanken mache und versuche es jedem Recht zu machen. Weil ich schon jetzt, wo das Mädchen noch zappelnd durch meinen Bauch hüpft, mir diese Gedanken machen muss.

Was ist los mit der Gesellschaft, dass sie es geschafft hat, mir diese Gedanken einzupflanzen?

Ich – wir – haben uns für dieses Kind entschieden. Wir wollen dieses Kind. Die Gesellschaft braucht dieses Kind. Sei es nur, damit sie in die Rentenkasse einzahlt.

Sollte mir die Gesellschaft nicht dann auch ein positives Bild vermitteln, zu dem, was da auf mich zukommt?
Ein: Du bist nicht allein? Du bist nicht allein, wenn du nur 60 Minuten hast, aber 120 Minuten bräuchtest?
Du musst dich als Mensch nicht verändern, weil du ein Kind möchtest?

Diese Gedanken umtreiben mich. 

Und ich möchte mir verbieten, mir auch nur eines dieser schlechten Gewissen aufzubürden.
Ich möchte arbeiten gehen können, weil ich es will.
Ich möchte mein Kind lieben dürfen, obwohl – nein! – gerade weil ich es 40 Stunden in die Kita gebe.

Ich möchte meinen Mann lieben dürfen, obwohl ich sicherlich manchmal eine schlechte Ehefrau sein werde. Ich liebe ihn schließlich auch, wenn er ein schlechter Ehemann ist. Und das wird er sein.

Und ich möchte mich selber weiter lieben, weil ich so geblieben bin, wie es mir gefällt.

Bewusst sage ich nicht: .. weil ich so geblieben bin, wie ich bin. Weil ich mich verändern werde. Aber ich möchte Ich bleiben. Mir treu.Mein Leben, mein Denken, meine Liebe und meine Zeit wird sich verändern, wenn wir eine kleine Familie sind.

Und ich möchte keine Zeit damit verschwenden mir Gedanken darüber zu machen, wem ich es gerade wieder nicht recht mache und wessen Erwartungen ich nicht erfülle. Ich möchte es mir recht machen, meinem Mann und meiner Tochter.

Unsere eigenen Erwartungen an uns werden Herausforderung genug sein.

Deswegen ziehe ich mir schon jetzt das Shirt über den Kopf, auf dem steht: Ich bin eine Rabenmutter. Mit Leib und Seele. Und auf meinem Tanga stünde, wenn es passen würde: Fuck off an eure Erwartungen.

Ich kann damit leben eine Rabenmutter zu werden, denn es zeigt mir, dass ich mich nicht unterkriegen lasse von den Menschen – der Gesellschaft da draußen – die erwartet, dass ich auf einmal ein neuer, anderer Mensch werde.

Wenn ich, um glücklich zu bleiben, von der Gesellschaft als Rabenmutter wahrgenommen werden muss:

Bitte. Los geht’s! Ich bin bereit.

Denn die einzigen Erwartungen, die es zu erfüllen gibt, sind meine Eigenen.

Disclaimer: Mir ist wichtig, dass dieses meine Meinung ist. Ich akzeptiere jede andere Meinung. Mir ist recht, was auch immer andere Menschen, Frauen, Männer und Familien glücklich macht.

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

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