Aktuelles Rente Teilzeitfalle

Aktuell: Grundsicherung & Grundrente

Wer in den letzten Tagen / Wochen am Thema “Grundrente / Grundsicherung” vorbei gekommen ist, lebt womöglich unter einem Stein – jedes Medium hat das Thema aufgegriffen und besprochen.
Bereits letzte Woche habe ich euch einen kleinen Exkurs zum Thema Mütterrente gegeben – schaut doch mal hier vorbei.

Da die Problematik “Teilzeitfalle” einen vollkommen neuen Blickwinkel bekäme, wenn die Grundrente – zu welchen Konditionen auch immer – eingeführt würde, möchte auch ich gerne einen kurzen Blick darauf werfen.

Überblick: was ist was?

Ich persönlich finde die Informationen etwas unübersichtlich. Gesprochen wird zur Zeit von “Grundrente” und “Grundsicherung”.

Ich versuche euch gerne einen kurzen Überblick zu geben – vollständig sind die Informationen mit Nichten und auch nicht schlüssig.
Solange die Koalition sich nicht auf eine Variante einigt, bleiben einige Fragen offen und unbeantwortet und können uns lediglich eine Idee geben, wie die Grundrente aussehen wird.

Grundsicherung

Die Grundsicherung ist in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden. Er sieht vor, dass Bürger, die 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, in der Rente auf 10% über den Grundsicherungsbedarf “angehoben” werden.
Dieser sollte sich dann auf ca. 880€ belaufen. (Quelle)
Hier soll ebenfalls berücksichtigt werden, wenn die Bürger Kinder groß gezogen haben, oder Angehörige gepflegt haben.
Alle Frauen die (rückwirkend bis 1992) Kinder großgezogen haben (bitte hier entlang zum Thema Mütterrente), bekommen Rentenansprüche angerechnet.
Der Auszahlung wird eine Bedürftigkeitsprüfung vorangestellt und Vermögen über 5000€ und bspw. Immobilien würden vor der Auszahlung angerechnet.

Grundrente

Die Grundrente ist neu ins Spiel gekommen, eingeworfen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD).
Die Grundsicherung würde dann pauschal mit 447€ monatlich aufgestockt werden. Der Bundesarbeitsminister prüft zur Zeit, ob eine Einzahldauer von 35 Jahren hier ebenfalls gehalten werden soll. Es kann also durchaus sein, dass noch an dieser Stellschraube gedreht wird.

Ob Teilzeit oder Vollzeit eingezahlt wird, ist dafür nicht relevant. Pflege von Angehörigen und Elternzeit würden in die (vemutlich) 35 zu erreichenden Jahren eingerechnet werden. Ein Minijob hingegen würde nicht ausreichen; ihn kann man nicht mit anrechnen.
Eine Bedürftigkeitsprüfung für die Auszahlung ist nicht vorgesehen (das heißt, dass eine Immobilie oder sonstiges Vermögen nicht angerechnet würde, sondern der Betrag so oder so ausgezahlt würde, wenn die Einkünfte unter dem Hartz IV Satz liegen).

Darüber denke ich nach

  • Wie wird der Nachweis von Kindererziehung / Pflege von Angehörigen erbracht? Wie viele Jahre zählen tatsächlich? Wie wird die Mütterrente hier eingebracht?
  • Die Grundrente ist auf den ersten Blick ein sinnvolles Kontrukt, weil es doch vor allem solche bedenkt, die wenig einzahlen konnten, oder viel Zeit ihres Arbeitslebens für Kinder oder Angehörige gesorgt haben. Was aber passiert mit Menschen, die “aus Bequemlichkeit” Teilzeit arbeiten? Auch sie tragen einen Vorteil aus dem Konstrukt. Ein schönes Beispiel hat der Focus vorgetragen: die Zahnarztgattin. Reinlesen lohnt sich auf jeden Fall.
  • Wer zahlt die Grundrente? Die finanzielle Belastung liegt bei den Jahrängen, die nun arbeiten. Ob die Rente dann aus der Steuer oder aus der aktuellen Rentenversicherung bezahlt wird: die Rechnung landet bei den jungen Menschen. Ob sie jemals von dieser Rente profitieren, steht allerdings in den Sternen.
  • 35 Jahre: das bedeutet, dass man – bei einem Renteneintrittsalter von 65 – mit spätestens 30 anfangen muss in die Rentenkasse einzahlen muss. Aus meiner Studienerfahrung weiß ich, dass das für einige Studenten knapp werden würde. Wer dann noch Eltern gepflegt, Kinder bekommen und ein Sabbatical gemacht hat, kommt dann schnell ins Trudeln. Je nachdem wie die Anrechnung der Pflege & Kindererziehung gehandhabt wird.

Teilzeitfalle – Grundrente

Mit Umstellung auf die Grundrente würde man – unter gewissen Gesichtspunkten – die Teilzeitfalle zu großen Stücken ausmerzen können.
Dafür wäre relevant:

  • Mütter / Väter bekommen Erziehungs- & Pflegejahre in die Rente angerechnet. Die entsprechenden Personen nehmen aber auch nur die Jahre, die zur Verfügung gestellt werden, denn ..
  • .. bliebe die Einzahlungszeit bei 35 Jahren, wäre jeder Aussetzer schwierig und man hätte es schwer die Zeit zu erreichen. Lösung wäre es hier die Zeit abzusenken.
  • Es ist nicht relevant, ob man Teilzeit oder Vollzeit in die Rentenkasse einzahlt. Selbst Mütter, die lange Zeit Teilzeit in die Rentenkasse einzahlen, sind nicht benachteiligt.

Was hätte das zur Folge?

Die Altersarmut für die Mütter und Väter, die in unserer Generation mit Leidenschaft ihre Kinder großziehen und viel Zeit mit ihnen verbringen wollen, würde drastisch sinken. Eltern zahlen damit nicht mehr eine verspätete Rechnung für Zeit mit dem Nachwuchs während der Verrrentung.

Natürlich wird es weiter Eltern geben, die von der Grundsicherung leben, aber es wird einige – vornehmlich Frauen – geben, die nicht mehr dieses Schicksal ereilt.
Statistiken zeigen, dass vor allem Frauen in den neuen Bundesländern profitieren würden, weil es durch die bessere Abdeckung der Kinderbetreuung und der fehlenden Elternzeit weniger Mütter gegeben hat, die längere Zeit zuhause geblieben sind.

In den alten Bundesländern würden nicht so viele Frauen von diesen Neuerungen profitieren. Hier war es üblicher längere Zeit mit den Kindern zuhause zu bleiben. 35 Jahre Renteneinzahlung zu erreichen sind für westdeutsche Frauen also schwieriger als für ostdeutsche Frauen.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, ob wir die Grundrente oder die Grundsicherung bekommen werden – und wie die einzelnen Stellschrauben gedreht werden. Wichtige Punkte wie ⇢ Einzahldauer, ⇢Mütterrente, ⇢ Pflegezeit von Angehörigen, ⇢ Teilzeit / Vollzeit-Einzahlung müssen abschließend geklärt werden, bevor tatsächlich beschlossen werden kann, wie gut und wie sinnvoll eines der beiden Konstrukte sind und ob sie effektive Abhilfe gegen Altersarmut schaffen können.

Sobald das Gesetz beschlossen wird, werden ich mich gerne für euch damit auseinandersetzen.

About the author

Claudia

Claudia

Gründerin & Chefredakteurin von FulltiME.
Vollzeitbeschäftigte Ehefrau und Mama einer Tochter.
"You are not too busy. It's just a matter of priorities".
Claudia möchte mit dem Magazin gerne zeigen, wie man Beruf, Familie und eigene Bedürfnisse unter einen Hut bekommt.

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  • […] Heute möchte ich eine kurze Reihe starten, die einen Blick auf die Rente von berufstätigen Eltern wirft.Alle, die schon immer einen kurzen & knappen Überblick über die Rentenzahlungen von berufstätigen Eltern haben wollten, sollten ein paar Minuten Zeit investieren. Ein Überblick zur aktuellen Grundrente / Grundsicherungsdiskussion findet ihr hier. […]

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